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Zertifizierung

CEH und die Frage, was ein Zertifikat überhaupt beweist

Ein bekanntes Zertifikat mit Ankreuzprüfung, ein zwiespältiger Ruf und eine ernste Frage dahinter: Woran erkennt man, ob ein Abschluss etwas wert ist? Eine Prüfliste mit sechs Kriterien.

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Kaum ein Abschluss in diesem Feld wird so oft genannt und so unterschiedlich bewertet wie der Certified Ethical Hacker. In Anzeigen und Vergabeunterlagen steht er häufig, unter Praktikern hat er einen zwiespältigen Ruf. Dieser Text beschreibt, was er tatsächlich ist, wann er sich rechnet – und stellt die allgemeinere Frage, an der sich jedes Zertifikat messen lässt.

Was CEH verlangt

Herausgeber ist EC-Council. Die Prüfung ist eine Wissensprüfung im Multiple-Choice-Format mit einer festen Fragenzahl und einem mehrstündigen Zeitfenster; sie deckt Begriffe, Vorgehensweisen und Werkzeuge der offensiven Seite in der Breite ab. Zur Prüfung zugelassen wird, wer eine anerkannte Schulung des Anbieters besucht hat oder statt dessen einschlägige Berufserfahrung nachweist und ein Zulassungsverfahren durchläuft. Daneben bietet der Anbieter eine praktische Prüfung und eine Kombination aus beidem an; die genauen Bedingungen und Gebühren ändern sich, prüfen Sie sie vor der Anmeldung beim Anbieter.

Das ist die sachliche Beschreibung. Der Streit beginnt bei der Frage, was daraus folgt.

Warum der Ruf zwiespältig ist

Drei Einwände werden regelmäßig vorgebracht, und alle drei sind nachvollziehbar.

Eine Ankreuzprüfung belegt keine Fertigkeit. Wer die Namen von vierzig Werkzeugen kennt, hat keines davon in einer fremden Umgebung angewandt. Für eine Tätigkeit, deren Kern die praktische Arbeit ist, ist das eine schwache Aussage – der Gegenentwurf ist eine Prüfung, in der man ein System tatsächlich übernehmen und darüber berichten muss, siehe OSCP.

Der Preis steht in einem ungünstigen Verhältnis zum Nachweiswert. Schulung, Prüfung und Verlängerung summieren sich; dieselbe Summe finanziert eine praktische Prüfung samt Übungsumgebung.

Die Wahrnehmung in Fachkreisen. In technischen Runden wirkt der Abschluss allein selten überzeugend. Das ist keine Marktforschung, sondern eine Beobachtung, die man beim Lesen von Fachdiskussionen und in Gesprächen macht – aber sie ist für die Berufsplanung erheblich.

Wann er sich trotzdem rechnet

Es gibt drei Fälle, in denen der Abschluss ein guter Kauf ist – und in allen dreien liegt der Nutzen nicht in der Fachlichkeit, sondern in der formalen Wirkung.

Wenn ein Auftraggeber ihn verlangt. In öffentlichen Vergaben und in Rahmenverträgen wird die Qualifikation der eingesetzten Personen abgefragt, und dort stehen benannte Zertifikate. Wer bei einem Dienstleister arbeitet, der solche Aufträge bedient, bringt mit dem Papier einen Vorteil für seinen Arbeitgeber mit.

Wenn ein Arbeitgeber ihn bezahlt. Ein bezahltes Zertifikat ist fast immer ein guter Kauf, weil es Sie nichts kostet und die Vorauswahl verbessert. Was dabei in der Kostenübernahme geregelt sein sollte, steht unter Zertifikatskosten und Rückzahlungsklauseln.

Wenn Sie in einem Umfeld arbeiten, das feste Qualifikationslisten kennt. In internationalen Zusammenhängen, bei Behörden und in Bereichen mit formalen Anforderungskatalogen sind solche Listen verbreitet, und wer darauf steht, kommt in die Vorauswahl.

Selbst bezahlt und ohne einen dieser drei Gründe ist er die schwächere Wahl. Wer in die offensive Richtung will, kommt mit einer praktischen Prüfung und eigenen Belegen weiter – siehe CTF und Bug Bounty und Heimlabor als Nachweis.

Die sechs Kriterien für jedes Zertifikat

Die eigentliche Lehre aus der Debatte um CEH ist eine allgemeine: Prüfen Sie jedes Zertifikat, bevor Sie es kaufen, an sechs Fragen.

  1. Wer nimmt es ab, und wie? Ankreuzprüfung, praktische Prüfung, Bericht, Beaufsichtigung. Je näher die Prüfung an der Arbeit liegt, desto mehr sagt sie aus.
  2. Welche Voraussetzung wird tatsächlich geprüft? Zertifikate mit geprüfter Berufserfahrung – etwa die Verfahren bei ISC2 und ISACA – sind aus Arbeitgebersicht ein anderer Nachweis als solche ohne. Siehe CISSP und CISM und CISA.
  3. Wie oft steht es in den Anzeigen, die Sie interessieren? Zählen Sie es in zwanzig Anzeigen Ihrer Zielrolle nach. Diese Stunde Arbeit ersetzt jede Empfehlung, auch diese hier.
  4. Was kostet es über fünf Jahre? Prüfungsgebühr plus Jahresbeitrag plus Fortbildungspunkte plus Verlängerung. Manche Abschlüsse sind billig im Kauf und teuer im Unterhalt.
  5. Wie lange gilt es? Einige laufen ab und verlangen eine erneute Prüfung, andere nur Fortbildungspunkte.
  6. Was sagt es über Ihre Fertigkeit? Wenn die ehrliche Antwort „nichts" lautet, brauchen Sie zusätzlich einen praktischen Nachweis. Das ist kein Grund, es nicht zu machen – aber ein Grund, nicht dabei stehenzubleiben.

Die Übersicht über die gängigen Abschlüsse und ihre Einordnung steht unter Zertifikate im Vergleich.

Wie Sie ein Zertifikat im Lebenslauf einordnen

Es gibt eine Darstellungsform, die in diesem Feld regelmäßig gut ankommt, weil sie die Frage nach dem Wert von selbst beantwortet: Schreiben Sie hinter jedes Zertifikat, was Sie damit gemacht haben.

Also nicht nur „CEH, 2025", sondern „CEH, 2025 – anschließend zwei begleitete Webanwendungstests im Kundenauftrag". Nicht nur „ISO-27001-Auditorenschulung, 2024", sondern „…, seitdem zwei interne Audits durchgeführt". Diese Form ist kurz, sie lässt sich nicht abschreiben, und sie verhindert die Rückfrage, ob das Papier allein steht.

Umgekehrt gilt: Wenn Sie zu einem Zertifikat nichts schreiben können, weil es keine Anwendung gefunden hat, ist das ein Hinweis an Sie selbst. Das nächste sollte eines sein, das zu der Arbeit passt, die Sie tatsächlich tun oder tun wollen.

Worauf Sie verzichten sollten

Zwei Sorten von Abschlüssen kosten Geld und bringen nichts.

Die erste sind Zertifikate ohne Prüfung: Teilnahmebescheinigungen aus Onlinekursen, die im Lebenslauf wie ein Abschluss aussehen. Wer sie unter „Zertifizierungen" führt, riskiert im Gespräch eine unangenehme Nachfrage. Führen Sie sie als Fortbildung, mit Stundenzahl – das ist ehrlich und wird auch so gelesen.

Die zweite sind Abschlüsse von Anbietern, die niemand kennt. Ein Zertifikat wirkt über seinen Bekanntheitsgrad; ein unbekanntes leistet in der Vorauswahl nichts und kostet dieselbe Zeit.

Ein dritter Punkt betrifft die Menge: Fünf Abschlüsse in zwei Jahren wirken nicht fleißig, sondern beliebig. Zwei, die zur Zielrolle passen, plus ein Beleg aus eigener Arbeit sind die bessere Zusammenstellung.

Ein unbekanntes Zertifikat prüfen

Es kommen ständig neue Abschlüsse auf den Markt, und die Anbieter werben mit denselben Worten. Fünf Prüfschritte, mit denen Sie einen Abschluss einordnen, den Sie nicht kennen:

Die Akkreditierung. Personenzertifizierungen können nach einer internationalen Norm für Zertifizierungsstellen akkreditiert sein. Das sagt nichts über die Fachlichkeit, aber etwas über das Verfahren: Trennung von Schulung und Prüfung, festgelegte Prüfungsordnung, Beschwerdeweg.

Die Trennung von Kurs und Prüfung. Wenn derselbe Anbieter schult, prüft und bewertet, und wenn die Prüfung ohne den Kurs praktisch nicht zu bestehen ist, verkauft er in erster Linie einen Kurs.

Die Bestehensquote. Anbieter mit sehr hohen Quoten verkaufen Teilnahme. Anbieter, die die Quote gar nicht nennen, sollten gefragt werden.

Die Nennung in Anzeigen. Suchen Sie das Kürzel in Stellenanzeigen Ihrer Zielregion. Kommt es nicht vor, leistet es in der Vorauswahl nichts.

Die Prüfungsform. Ankreuzen, praktische Aufgabe, Bericht, Beaufsichtigung. Je näher an der Arbeit, desto mehr Aussage.

Wenn nach diesen fünf Schritten Zweifel bleiben, ist die Antwort Nein. Es gibt in diesem Feld genug Abschlüsse mit bekannter Wirkung; ein unbekannter muss seinen Nutzen belegen, nicht Sie seine Nutzlosigkeit.

Was am Ende zählt

Ein Zertifikat verschafft Aufmerksamkeit. Die Einstellung entscheidet das Gespräch, und dort wird gefragt, was Sie gemacht haben. Wer CEH hat und im Gespräch einen eigenen Prüfbericht aus einer Übungsumgebung vorlegt, ist in einer guten Lage. Wer CEH hat und sonst nichts, hat eine Prüfungsgebühr bezahlt.

Das gilt in beide Richtungen: Auch ohne jedes Zertifikat kommt man in diesem Feld weiter, wenn die Belege stimmen – das ist einer der Gründe, warum Quereinsteiger hier überhaupt eine Chance haben, siehe Quereinstieg aus der Administration. Welche Nachweise in den ausgeschriebenen Stellen verlangt werden, lesen Sie am besten selbst nach: in den offenen Stellenangeboten.

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